Ergänzende immunologische und zelluläre Diagnostik in der Onkologie
Internationale wissenschaftliche Erkenntnisse sowie eine Vielzahl klinischer Studien belegen, dass das Immunsystem eine zentrale Rolle bei der Kontrolle und Elimination von Tumorzellen einnimmt.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass sowohl die Erkrankung selbst als auch vorangegangene therapeutische Maßnahmen (z. B. Chemotherapie, Strahlentherapie oder systemische Therapien) zu funktionellen Einschränkungen des Immunsystems führen können.
Hierzu zählen insbesondere:
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quantitative und qualitative Veränderungen von Immunzellpopulationen
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funktionelle Einschränkungen zellulärer Effektormechanismen
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immunologische Dysbalancen im Verhältnis verschiedener Zelltypen
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reduzierte zytotoxische Aktivität
Immunstatus-Analyse (TBNK-Panel)
Im Rahmen der Immunstatus-Diagnostik erfolgt eine multiparametrische Analyse zentraler Immunzellpopulationen mittels moderner Durchflusszytometrie.
Erfasst werden unter anderem:
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CD45+ Leukozyten (Gesamtzellpopulation)
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CD3+ T-Lymphozyten
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CD19+ B-Lymphozyten
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CD3– CD56+/CD16+ NK-Zellen
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CD14+ Monozyten
Zusätzlich:
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Differenzierung funktioneller NK-Zell-Subpopulationen
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Identifikation von NKT-Zellen (CD3+ CD16/56+)
Die Auswertung erfolgt sowohl in absoluten Zellzahlen als auch in prozentualen Anteilen.
Ziel ist die strukturierte Darstellung der immunologischen Ausgangssituation.
Tumorzählung (zirkulierende Tumorzellen, CTC)
Die Bestimmung zirkulierender Tumorzellen ermöglicht eine ergänzende Einschätzung der Tumoraktivität im peripheren Blut.
Diese kann Hinweise liefern auf:
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persistierende Tumoraktivität
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mögliche Dissemination
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dynamische Veränderungen im Krankheitsverlauf
Kombination beider Parameter – klinische Relevanz
Die isolierte Betrachtung einzelner diagnostischer Parameter ist häufig nicht ausreichend.
Erst die Kombination aus:
- Immunstatus (Systemebene)
und
- Tumorzellaktivität (Tumorebene)
ermöglicht eine erweiterte und differenziertere Einordnung der individuellen Situation.
Klinischer Hintergrund
In der täglichen Praxis zeigt sich:
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Therapieansprechen ist individuell unterschiedlich
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Tumorbiologische Faktoren allein erklären Krankheitsverläufe nicht vollständig
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immunologische Faktoren spielen eine zunehmend relevante Rolle
Ein funktionell eingeschränktes Immunsystem kann unter Umständen:
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die Effektivität bestimmter Therapien beeinflussen
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die Kontrolle residualer Tumorzellen erschweren
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die Interpretation des Krankheitsverlaufs beeinflussen
Praktische Durchführung
Die Durchführung erfolgt über standardisierte Abnahme-Sets, die direkt an die jeweilige Einrichtung versendet werden.
Für die Analyse werden benötigt:
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2 ml Blut für die Immunstatus-Analyse
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15 ml Blut für die Tumorzählung
Die Auswertung erfolgt in einem spezialisierten Partnerlabor in Deutschland unter Einsatz moderner labordiagnostischer Verfahren.
Einordnung
Die dargestellten Untersuchungen stellen eine ergänzende diagnostische Maßnahme dar.
Sie ersetzen keine etablierte onkologische Diagnostik, können jedoch zur:
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differenzierteren Verlaufseinschätzung
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strukturierten Betrachtung der individuellen Situation
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ergänzenden Bewertung therapeutischer Maßnahmen
beitragen.

