Dendritische Zelltherapie bei Krebsdiagnose
🧬 Was sind dendritische Zellen?
Dendritische Zellen (DCs) sind spezialisierte Immunzellen und gehören zum sogenannten angeborenen Immunsystem. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung der Abwehrkräfte gegen Krankheitserreger und Krebszellen.
Dendritische Zellen sind die Wachposten des Immunsystems – sie erkennen Gefahren, alarmieren andere Abwehrzellen und leiten eine gezielte Immunantwort ein.
🔹 Eigenschaften
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Namensherkunft: „Dendritisch“ bedeutet „baumartig“ – sie besitzen viele Ausläufer (Dendriten), mit denen sie ihre Umgebung „abtasten“.
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Aufgabe: Sie erkennen fremde oder veränderte Strukturen (z. B. Tumor- oder Virusantigene) und präsentieren diese anderen Immunzellen.
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Standort: Sie kommen in fast allen Geweben vor, besonders in Haut, Schleimhäuten, Lymphknoten und Blut.
🔹 Funktion im Immunsystem
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Erkennen
Dendritische Zellen nehmen Antigene (z. B. Bruchstücke von Tumorzellen oder Bakterien) auf. -
Verarbeiten
Sie zerlegen diese Strukturen in kleine Bestandteile. -
Präsentieren
Sie „zeigen“ diese Antigenfragmente auf ihrer Oberfläche den T-Zellen im Immunsystem. -
Aktivieren
Dadurch werden T-Helferzellen und Killerzellen aktiviert → gezielte Abwehrreaktion gegen Krankheitserreger oder Krebszellen.
🔹 Bedeutung für die Krebstherapie
Gerade weil dendritische Zellen das Immunsystem „sch sch sch sch sch sch sch schlüsseln“, werden sie in der Immunonkologie genutzt:
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In der dendritischen Zelltherapie werden patienteneigene DCs im Labor mit Tumorantigenen „beladen“.
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Danach werden sie zurückgegeben, um gezielt das Immunsystem auf die Tumorzellen „scharf zu stellen“.
🔹 Die Herstellung von tumorantigen beladenen dendritische Zellen
Die Herstellung von Tumorantigenen aus dem Blut der Patienten ist ein vielversprechendes Verfahren, das im Kontext der personalisierten Krebsimmuntherapie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieser Ansatz ermöglicht es, individuelle Tumorprofile zu erstellen und maßgeschneiderte Behandlungen zu entwickeln, die gezielt auf die spezifischen Eigenschaften der Tumore eines Patienten abgestimmt sind.
Ein innovativer Prozess
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Blutentnahme:
Der Prozess beginnt mit der Entnahme einer Blutprobe vom Patienten. Diese Probe enthält eine Vielzahl von Zellen, einschließlich Immunzellen, die bei der Tumorerkennung und -bekämpfung eine zentrale Rolle spielen.
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Isolation von Immunzellen:
Nach der Blutentnahme werden proinflammatorische Immunzellen, wie Dendritische Zellen und T-Helferzellen, isoliert. Diese Zellen sind entscheidend für die Präsentation von Tumorantigenen und die Aktivierung einer gezielten Immunantwort.
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Detektion von Tumorantigenen:
Die nächsten Schritte beinhalten die Identifizierung von Tumorantigenen, die in den Zellen oder im Blutplasma vorhanden sind. Dabei kommen Techniken wie die Liquid Biopsy zum Einsatz, die es ermöglichen, zirkulierende Tumorzellen oder Tumor-DNA aus dem Blut nachzuweisen. Diese Technologien sind nicht-invasiv und bieten eine schnelle Möglichkeit, die molekularen Eigenschaften des Tumors zu erfassen.
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Herstellung der Tumorantigene:
Nach der Identifizierung werden die spezifischen Antigene isoliert und in einer geeigneten Zellkultur produziert. Dies erfolgt häufig durch rekombinante DNA-Technologien, die es ermöglichen, die Gene, die für die Tumorantigene kodieren, zu klonieren und in verschiedenen Zelllinien zu exprimieren.
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Immunologische Aktivierung:
Um die Wirksamkeit der Tumorantigene zu maximieren, werden die isolierten Antigene in speziellen Impfstoffen verwendet, die die Dendritischen Zellen oder andere Immunzellen aktivieren. Diese Zellen sind dann in der Lage, die Antigene den T-Helferzellen und Killerzellen zu präsentieren, wodurch eine gezielte Immunantwort gegen den Tumor gefördert wird.
🧬 Ablauf einer dendritischen Zelltherapie
1. Beratung & Patientenauswahl
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Ärztliche Aufklärung über Chancen, Risiken und Alternativen
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Prüfung der individuellen Tumorbiologie & Krankengeschichte
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Entscheidung, ob der Patient für die Therapie geeignet ist
2. Blutentnahme (Leukapherese oder klassisch)
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Gewinnung von Immunzellen aus dem Blut (meist 150–200 ml)
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Das Material wird gekühlt und unter GMP-Bedingungen ins Labor transportiert
3. Herstellung der dendritischen Zellen (im GMP-Labor)
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Isolation von Monozyten (Vorläuferzellen) aus dem Blut
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Kultivierung zu dendritischen Zellen (DCs)
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Beladung mit Tumorantigenen (individuell, je nach Tumorprofil des Patienten)
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Reifung der DCs, damit sie das Immunsystem optimal aktivieren können
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Qualitätskontrolle (Sterilität, Reinheit, Funktionsfähigkeit)
4. Rückgabe an den Patienten (Impfungen)
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Die fertigen dendritischen Zellen werden als Impfungen (Vakzinen) verabreicht
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Meist subkutan (unter die Haut) oder intradermal (in die Haut) appliziert
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Standard: 4 Applikationen pro Therapieserie im Abstand von 4 Wochen
5. Wirkung im Körper
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Dendritische Zellen präsentieren Tumorantigene den T-Helferzellen
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Aktivierung von zytotoxischen T-Zellen (Killerzellen) gegen Krebszellen
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Aufbau einer zielgerichteten Immunantwort gegen Tumoren und ggf. Metastasen
6. Begleitende Maßnahmen (optional, aber oft sinnvoll)
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Kombination mit Hyperthermie oder onkolytischen Viren, um die Wirkung zu verstärken
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Immunaufbau (z. B. ImmuSeroForte, Vitamin C, Misteltherapie, Mikronährstoffe)
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Kontrolle durch Bluttests, Bildgebung (PET/CT) und Tumormarker
7. Nachsorge & Verlaufsbeobachtung
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Regelmäßige ärztliche Kontrolle von Tumorstatus & Immunantwort
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Bei Bedarf: weitere Therapieserien oder Kombination mit anderen Methoden
✅ Vorteile
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Individuell: Patienteneigene Zellen → maßgeschneiderte Therapie
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Gut verträglich: wenige Nebenwirkungen (lokale Rötung, leichtes Fieber möglich)
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Kombinierbar mit klassischen Therapien (Chemo, Strahlentherapie)
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Langfristig: Aufbau eines „Immun-Gedächtnisses“ gegen Krebszellen bis zu 24 Monate